22 March 2023

Will ich nicht, so muß ich weinen

Here is my translation of the spiritual song for orphans, “Will ich nicht, so muß ich weinen” (Anon., 18th c.?), from Ev.-luth. Gsb #571. It is not found in Fischer’s lexicon. Its identification as a spiritual song (or folk hymn, to put it another way) is based, first, on its naive textual condition with self-consciously simple syntax and occasional lack of rhyme; secondly, on its first appearance in a collection of Silesian folksongs, Schlesische Volkslieder mit Melodien (1842) by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. It was evidently taken from this source, with omission of stanza 4, into the Pennsylvania hymnal (Ev. Gsb) and thence into the Wisconsin imitation. Its rise in popularity may be seen in association with the emerging Romantic movement, and its construction and tone are clearly echoed in “Wayfaring Stranger,” of roughly the same meter and reputed to have a German basis. Evidently, however, this text is a reworking and condensing of an 11-stanza lyric in an anonymous booklet of “operatic airs,” Schöne neue Opern-Arien (1800), released the following year under the title Ganz neue Lust-Rose . . . (1801). In include the text below. The first stanza is clearly the least reworked. As for the rest, the essential idea is distilled into 4 stanzas, though perhaps with more repetition and less logical consequence than in the longer text. Addresses of Jesus and the Father have been conflated, so that Jesus is called the dearest Father, etc. Of the older text, the latter part of stanza 7 is seen preserved in the newer hymn’s 5th stanza. Other textual similarities are scattered. The melody appointed in the Wisconsin hymnal is “O du Liebe meiner Liebe,” while two others are given by Kümmerle, and another is found in the Silesian folksong collections.

 



 


BY what grief I’m overtaken
When I ponder things aright;
For my kin have all forsaken
And have bidden me good night.
Where’s my Father, where’s my mother?
Oh, they lie within the grave.
Where’s my sister or my brother?
On this earth no friend I have.

2 O my Jesus, dearest Savior,
Look upon this orphan whelp;
Thou to me art like a father:
Save for Thee no one can help.
For my parents have departed,
In this world no longer live:
Therefore, Jesus, tender-hearted,
For a father Thee I receive.

3 O my Jesus, dearest Savior,
Listen to this orphan whelp,
For I stand before Thee sorr’wing,
And myself I cannot help.
On Thee, dearest Lord, relying,
Let me hold Thee as my own,
And in living and in dying,
Faithful be to Thee alone.

[4 Help me keep this oath I’ve spoken,
Never Thee with sin to shame,
Nor to let Thy laws be broken—
Let this be my goal and aim:
As Thy child all love I’ll give Thee—
’Tis the way, the child to tell;
Jesus, I will not aggrieve Thee.
Grant me this, and all is well.]

5 World, let all thy filth be driven
Far from me, thy trifles far!
My desire is set in heaven,
There my joys and comforts are;
Here is only cross and yearning,
Cheating lies and little rest:
I’ll not from my God be turning;
Of all friends He is the best.

Translation © 2023 Matthew Carver.

GERMAN (1842)

Will ich nicht, so muß ich weinen,
wenn ich mir es recht betracht;
weil verlassen mich die Meinen,
und genommen gute Nacht.
Ach, wo ist meine Vatr und Mutter?
Ach, sie liegen schon im Grab.
Ach, wo sind meine Brüdr und Schwestern?
Keinen Freund ich nirgends hab.

2 O mein allerliebster Jesu,
schau mich armes Waislein an!
Du bist ja meiner liebster Vater:
sonst mir Niemand helfen kann.
Weil mein Eltern sind [sein] gestorben,
leben nicht auf dieser Welt:
so hab ich dich, liebster Jesu,
für mein Vater auserwählt.

3 O mein allerliebster Jesu,
hör mich armes Waislein an,
weil ich traurig vor dir stehe,
selber mir nicht helfen kann.
Du bist ja mein liebster Jesu,
und dein Kind will ich nun sein,
so im Leben, so im Sterben
treu beständig dir allein.

*Dir, o Jesu, thu ich versprechen,
daß ich nicht mehr sündigen will;
kein Gebot will ich nicht brechen,
setz mir dieses vor ein Ziel:
daß ich dich dein Kind will lieben,
wie ein Kind dich lieben soll,
dich, o Jesu, nicht betrüben;
sollt das sein, so geht mirs wohl.

5 Fort, o Welt, mit dein'm Getümmel;
fort mit deiner Eitelkeit!
Mein Verlangen steht in Himmel,
dort zu suchen Trost und Freud.
Allhier ist nur Kreuz und Leiden.
Falschheit und Betrügerei;
von meim Gott will ich nicht weichen;
denn er ist der beste Freund.

(*From the County Glaz. Stanzas 2-5, which properly contain no more than what is already expressed in the first, are omitted.)



1800 Schöne Neue Opern Arien

1801 Ganz neue Lust-Rose

Will ich nicht, so muß ich weinen,
wenn ich mich es recht betracht;
mich verlassen ja die Meinen,
nehmen gleichfalls gute Nacht.
Wo ist denn mein Vatr und Mutter?
Ach, Gott, sie liegen in dem Grab,
gleichfalls meine Brüdr und Schwestern,
Keinen Freund ich nicht mehr hab.

2 Nun muß [ich] im Elend wallen;
ach ich arm verlaßnes Schaaf!
Unglückslelig ist vor alen
jetzt mein Wachen und mein Schlaf,
ja mein Herz schwimmt stets in Zähren,
und mein Aug thränt Tag und Nacht,
Gott woll mein Gebet erhören,
der auf die Verlaßnen wacht.

3 Geh ich stille auf den Straßen,
ach, ich armes Waiselein,
auch da seh ich mich verlassen,
kein Mensch will mein Tröster sein,
will ich gleich alle Lieb erzeigen
meinem Freund von Herzensgrund,
o so schnaubt er und heißt mich schweigen!
Acht mich schlechter als ein Hund.

4 Will ich auf den Weg mich machen,
um zu dienen meinem Gott;
da thut mich die Welt auslachen,
treibet mit mir Hohn und Spott.
Aber ich will dies nicht achten,
es währt nur ein kurze Zeit,
ich will nur nach dem Himmel trachten,
da ist frohe Seligkeit.

5 Hinauf ich mich zu Jesu wende,
welcher bis in seinen Tod
viel Verfolgung und Elende
hat gelitten, Hohn und Spott.
Er little für uns Menschenkinder,
dann er hatte nichts verschuldt,
ach, wir sind noch groß Sünder,
dennoch trägt uns seine Huld.

6 Darum will die Schmach ich leiden,
gern und willig auf der Erd,
Jesus giebt mir dort die Freuden,
in der goldnen Himmelstadt.
Ach, wie wirds den Sündern gehen,
denn wir müssen vors Gericht,
werden aufgeschrieben stehen;
Gott ists, der das Urtheil spricht.

7 bin ich auf der Welt verlassen,
ach, ich armes Waiselein,
ruf ich meinen Gott und Vater!
und er wird mein Beistand sein;
geh nur fort du Weltgetümmel,
weg mit deiner Eitelkeit,
mein Verlangen ist gen Himmel,
dort zu suchen Trost und Freud.

8 Gern und willig will ichs leiden,
wies mein Jesus mit mir schickt,
hier, hier sind bloß Elendsfreuden,
die Verlaßne nur erstickt,
aber dort in jenem Leben,
wird Gott mein Genadenlohn,
da wird er die Wisen heben
hoch empor in seinem Thron.

9 Zittre dann du Staub der Erde,
foltre dann du Höllenbrand,
siehe, wie vor Angstbeschwerde
mich erquicket Gottes Hand.
Dein Herz war vor mich verschlossen,
dort auf jenem Erdenball,
dein Stolz ist nunmehr zerflossen,
und du fühlst der Sünden Fall.

10 Schätz und Güter dieser Erden
sind zwar Menschenkindern gut,
auch im ganzen nicht Beschwerden,
denn der Segen Gottes ruht
auf dem, der sie recht erwäget,
und nicht Geiz noch Wucher treibt.
Ja, über Wittwen und Waisen pfleget,
bleibt gesegnet im Ewigkeit.

11 Darum allerliebsten Freunde,
Schwestr und Brüder insgemein,
seid nicht selbst eure Seelenfeinde!
laß die Hände milde sein
gegen die verlaßne Waisen,
gegen die so Armut drückt,
so wird er euch wider speisen,
der Gott, der die Seel erquickt.

No comments: