14 July 2026

Was ist gemeiner je auf Erd

Here is my translation of the hymn, “Was ist gemeiner je auf Erd” (L. Helmbold, d. 1598), from the author’s Schöne geistliche Lieder for Trinity VI, the second hymn, with title “On avoiding wrath.”

Mel.: Dies sind die heilgen zehn Gebot.

 

THIS earth no vice more common hath

Than that a man responds in wrath

To all offenses great and small!

A stubborn heart filleth all,

Kyrieleis!


2  How many_a man hates wrongfully!

And if he may do harm to thee

All free from fear or ruler’s sword,

His wrath on thee is outpoured,

Kyrieleis!


3 Yea, he who bears an injury

And hath his wrong proved patently,

Insists upon the right to rage,

And oft with fist doth engage.

Kyrieleis!


4 Such vices in our world abound,

Examples everywhere are found;

And in the Christian church, what’s more,

The people rage and make war,

Kyrieleis!


5 The Christian name they still would claim

And enter heaven all the same

To feast with Jesus Christ for aye,

And let no man bar their way,

Kyrieleis!


6 But what doth Jesus say thereto?

Whoever would in wrath undue

His brother Raca call, and fool,

Deserveth hell’s fiery pool,

Kyrieleis!


7 Yea, he must perish evermore,

In hellfire, far from heaven’s door:

Oh, what else can more foolish be

Than thus to die stubbornly?

Kyrieleis!


8 Let none with hatred be defiled,

First let disputes be reconciled,

Ere for the temple ye begin—

God help us all to go in,

Kyrieleis.


Translation © 2026 Matthew Carver.


GERMAN

Was ist gemeiner je auf Erd,

denn daß ein Menschen zornig werd,

um Ursach willen groß und klein?

Ein jeder pocht auf die Stein, 

Kyrieleis.


2 Mancher trägt unbllichen Haß,

und wenn er dir könnt schaden was,

ohn Furcht und Straf der Obrigkeit,

müßtest du leiden noch heut,

Kyrieleis.


3 Geschweig der so verletzet ist,

und seinen Schaden hat beweist,

der will zu zörnen haben Recht,

oft mit der Faust selbst drein schlägt,

Kyrieleis.


4 Das ist gemein in aller Welt,

nirgend es an Exempeln feilt,

auch bei uns in der Christenheit,

zürnen un dzanken die Leut,

Kyrieleis.


5 Wollen gleichwohl gut Christen sein,

stracks ungewährt in Himmel gehn,

zu sitzen mit am Tisch des Herrn,

das soll kurzum niemand wehrn,

Kyrieleis.


6 Aber was sagt Christus darzu?

Wer zürnt, daß er den Mund aufthu,

mit Rach sein Bruder heiß ein Narrn,

ist schuldig hinabzufahrn,

Kyrieleis.


7 Hinab in das hellische Feur,

das ist weit von des Himmels Thür:

Was könnt doch närrischer geschehn,

denn solchen Weg störrisch gehn?

Kyrieleis.


8 Das laßt euch allen sein gesagt,

was Hadder ist, zuvor vertragt,

wenn ihr zum Heiligthum wollt gehn,

Gott helf uns allen hinein,

Kyrieleis.

13 July 2026

Herr Jesu Christ, du weißt es wohl

Here is my translation of “Herr Jesu Christ, du weißt es wohl” (B. Ringwaldt, 1582), from the author’s Evangelia, the post-Gospel prayer hymn for Trinity VI.

Mel.: Nun freut euch, lieben Christen gmein.



LORD Jesus Christ, Thou knowest well,

We sinners sore afflicted

As Adam’s sickly children, swell

With evils unrestricted,

With vengefulness and wicked lust,

Nor may be perfect, till this dust

Within the tomb lies buried.


2 Have mercy on our faults, O Lord,

Which to us still are cleaving,

And ’gainst the flesh and blood afford

Thy help, that we, believing,

May in the battle firmly stand,

That heart and mind the upper hand

May o’er them be retaining.


3 We would in peace and chastity

Be here together dwelling—

If but our hearts might be set free

From Adam’s thirst compelling,

Which overcomes us now and then,

And though it makes no mighty gain,

Is all too clearly noticed.


4 O God, if but our flesh possessed

No evil inclinations,

But always followed Thy behest

In thought and deed with patience!

Then would we be much evil spared,

And need not always stand prepared

To fight sin, world, and devil.


5 But since upon this earth none may

That longing be fulfilling,

Be gracious unto us, we pray,

By whose blood amply spilling,

We are made righteous in God’s sight,

As if we kept the Law aright,

Yea, and were more than perfect!


Translation © 2026 Matthew Carver.


GERMAN

Herr Jesu Christ, du weißt es wohl,

daß wir betrübte Sünder

seind Rach und böser Lüsten voll,

wie kranke Adams Kinder,

und können des nicht übrig sein,

bis das man unser Fleisch und Bein,

wird in die Gruben legen.


2 Halt solch Gebrechen uns zugut,

der in uns bleibet kleben,

un dhilf, daß wir dem Fleisch und Blut

all Stunden widerstreben,

udn ihm also thun Widerstand,

das unser Geist die Überhand,

zum meisten Theil behalte.


3 Wolln wir doch gern in Fried und Zucht,

allhie beinander wohnen,

wenn unser nur die Adams Sucht,

im Herzen wollt verschonen,

dieselb bisweil was überrinnt,

und ob sie wohl nicht viel gewinnt,

läßt sie sich doch vermerken.


4 Wollt Gott, daß wir in unserm Fleisch

kein bös Anmuthung hätten,

und jederzeit nach deim Geheisch,

recht dächten und recht thäten,

so wärn wir vieles Unglücks los

und dürften keines Fechtens groß,,

mit Teufel, Welt und Sünde.


5 Weil aber solches unser kein

auf Erden mag erfüllen,

so wollst du uns genädig sein,

um deines Blutes willen,

in dem wir send getrecht für Gott,

als hätten wir die Zehn Gebot

mehr denn zu viel gehalten. Amen.

12 July 2026

Wollt ihr vor Gott bestehen

Here is my translation of the hymn, “Wollt ihr vor Gott bestehen” (J. Heermann, 1636), from the author’s Sonntags- und Fest-Evangelia for Trinity VI, a paraphrase of the gospel reading.

Mel.: Nun laßt uns Gott den Herren.



WOULD ye stand in God’s presence

And enter heaven’s pleasance,

Exalt not at your pleasure

Your lives far out of measure.


2 To Pharisees it seemeth

If outwardly man gleameth

As righteous to another,

He must please God the Father.


3 Nay! No man Him deceiveth

The deepest heart He seeth.

Your mind and senses wholly

Must love your Maker solely.


4 While ye have well maintainèd

What patriarchs ordainèd—

Refrained from murder duly,

Yet I will tell you truly:


5 Whoe’er doth wicked labor,

And hates in heart his neighbor,

Must for eternal ages

Receive a murd’rer’s wages.


6  Who Raca to him speaketh,

His heart afflicts and breaketh

With wicked indignation,

Must face God’s condemnation.


7 Who tends a fool to call him,

Hell fire shall soon befall him.

His lips, by God convicted,

In hell shall be afflicted.


8 Wilt thou bring God thine off’ring,

First, ere thou aught be proff’ring,

Amends make to thy brother,

Have peace with one another.


9 Then shall thy off’rings given

Be well received in heaven,

Which Moses first ordainèd

And e’er in use remainèd.


10 Be willingly forgiving

While thou on earth art living,

The one who thee offended,

And then his wrong amended.


11 Else will he come accusing

To God, and thy abusing

Lament with grieving spirit,

And God shall surely hear it.


12 Than mortal judges truer,

He smites the evildoer

Who are not reconcilèd

To those by them revilèd.


13 He sternly will convict thee

And in His wrath reject thee,

To hell thou shalt be going

And pay all that is owing.


14 His wrath is yet far stronger

His prison is far longer,

With chains He’ll bind thee ever,

Whence none shall thee deliver.


15 Thou shalt be ever lying

In pools of fire undying

Till thou the debt repairest

And all the rigor bearest.


16 Lord Jesus, mercy lend me,

From vengefulness defend me,

Lest I be e’er deceivèd

And of Thy grace bereavèd!


Translation © 2026 Matthew Carver.


GERMAN

Wollt ihr für Gott bestehen

und in sein Reich eingehen,

so müßt ihr euer Leben

vor ihm nicht selbst erheben.


2 Die Pharisäer meinen,

wenn sie von aussen scheinen

gerecht zu sein bei allen,

sie müssen Gott gefallen.


3 Nein! Ihn kann niemand scherzen,

Er siehet in die Herzen;

es müssen alle Sinnen

bei euch ihn Lieb gewinnen.


4 Ihr habt noch wohl behalten

die Regel eurer Alten:

Man solle nicht todschlagen.

Ich aber will euch sagen:


5 Wer mit dem Nächsten schmollet,

und feindlich auf ihn grollet,

der wird dort ewig müssen

gleich andern Mördern büssen.


6 Wer Rache [Raca] zu ihm saget,

und ihm sein Herze plaget

mit zornigen Gebärden,

der wird gerichtet werden.


7 Wer ihn pflegt Narr zu nennen,

der wird im Feuer brennen;

sein Maul wird in der Höllen

der Satan ihm verquälen.


8 Willt du, Gott, Opfer bringen:

so schau vor allen Dingen,

wie du dir mögst hinwieder

versöhnen deine Brüder.


9 Alsdenn bring ihm die Gaben,

die er von dir will haben.

Die Moses hat beschreiben,

und stets im Brauche blieben.


10 Sei willig zu vergeben,

weil du noch bist im Leben:

dem, der dich hat verletzet,

und dir sich wiedersetzet.


11 Sonst wird er dich anklagen

bei Gott, und ihm vortragen

mit traurigem Gemüthe

dein grimmes Geblüte.


12 Er ist ein rechter Richter,

der straft die Bösewichter;

die mit dem, den sie hassen

sich nicht versöhnen lassen.


13 Er wird das Urtheil schärfen,

und dich im Zorn verwerfen,

der Diener in der Hellen

wird dir den Lohn zustellen.


14 Sein Grimm ist noch viel stärker;

er wird dich in den Kerker

mit Ketten ewig binden:

Da ist kein Rath zu finden.


15 Du wirst nur müssen sitzen

dort in den Schwefelpfützen,

bis du das Geld wirst prägen,

und jedern Schärf erlegen.


16 Herr Christ, durch deine Güte

vor Rachgier mich behüte,

daß ich mich nicht verführe,

und deine Huld verliere.