05 October 2026

Das größeste Gebot

Here is my translation of the hymn, “Das größeste Gebot” (L. Laurentii, 1700), from the author’s Evangelia Melodica, the second hymn for Trinity XVIII.


Mel.: Nun danket alle Gott.



OF all commands the first

 is: Love thy God sincerely

The second, like it, is

 to love thy neighbor dearly!

With all thy strength and pow’r

 to love thy God indeed

And neighbor as thyself—

 to this, O man, take heed!


2 Oh, that each mortal heart

 might live in love unfeigning,

And find its soul’s delight

 in love without all staining!

How diff’rent then the world

 would be, and envy cease,

And hatred, war, and strife

 be turned to blessed peace!


3 But sinful wrath proceeds

 from Satan’s jaws infernal;

Who as the dragon snuffs

 the fire of love supernal

Such wrath doth never good,

 nor what to God is right;

Still doth the mortal race

 proceed to strive and fight.


4 O Jesus, Son of God,

 of David’s tribe descended,

Unite us in thy love,

 A band by Thee befriended;

Us in Thy kingdom place,

 O mighty God and Lord,

Wrest us from sinful wrath

 and from th’ accursèd horde.


5 With heart and mouth and tongue

 we call Thee in the Spirit

The Lord of all the world,

 who gained for us love’s merit

Which Adam lost of old,

 Thy passion, death, and blood

Hath freed us from distress

 and brought us peace with God.


6 O Flesh of our own flesh,

 Bone of our bones in heaven!

oh, let Thy love and grace

 be to us mortals given,

Yea, let Thy mighty pow’r

 be sent from God’s right hand

To us on earth below,

 and known in every land!


7 When Thou Thine enemies

 A footstool for Thee makest

Greet us in kindness sweet

 Whom Thou Thy siblings makest;

Let us in faith and love

 greet Thee with fealty’s kiss,

Lest Thou be angry, and

 we perish, far from bliss.


8 Greet us meek as a lamb

 when like a lion furious

Thy roaring shall be heard

 at Thy descending glorious,

When Thou with mighty pow’r

 shalt wage Thy final war,

Take us in mercy to

 Thy glory evermore.


9 Then will we joyfully

 in streets of gold be singing,

And in Thy mother’s house

 let praise to Thee be ringing,

And worship Thee, Lord Christ,

 Thy crown upon Thy brow,

For none, O Lamb of God,

 Is worthy, none but Thou.


Translation © 2026 Matthew Carver.


GERMAN

Das größeste Gebot

ist Gott von Herzen lieben,

das ander ist dem gleich

am Nächsten Liebe üben,

Gott lieben überall

aus aller Kräften Macht,

den Nächsten als dich selbst,

dies nimm, o Mensch, in Acht.


2 Ach, daß ein jedes Herz

in solcher Liebe stünde,

und seine Seelenlust

in reiner Liebe fünde,

wie würd es auf der Welt

weit anders gehen zu

und aller Neid und Streit

verwandeln sich in Ruh.


3 Der Zorn ist angestammt

aus Satans Höllenrachen,

und alle Liebe ist

verloschen durch den Drachen,

der Zorn thut nimmer gut,

noch was für Gott ist recht,

doch lebt in Zank und Streit

das menschliche Geschlecht.


4 O Jesu, Gottes Sohn,

aus Davids Stamm entsprossen,

ach, mach uns deiner Lieb

holdselige Genossen,

versetz uns in dein Reich,

o großer Herr und Gott,

und reiß uns aus dem Zorn

und der verdammten Rott.


5 Wir nennen dich im Geist

mit Herzenmund und Zungen

den Herren aller Welt,

der uns die Lieb errungen,

die Adam hat verscherzt,

dein Leiden, Blut und Tod,

hat uns mit Gott versöhnt

und frei gemacht von Noth.


6 O Fleisch von unserm Fleisch

o Bein von unsern Beinen,

laß deine Lieb und Huld

uns Sterblichen erscheinen,

laß deine große Kraft

von Gottes Rechten Hand

uns werden zugewandt

und aller Welt bekannt.


7 Wenn du bald legen wirst

zum Schemel deiner Füße

die Feinde, so erschein

uns freundlich, mild und süße,

laß uns in Glaubenskraft

und Liebe küssen dich,

daß du nicht zürnst, und wir

umkommen jämmerlich.


8 Erschein uns als ein Lamm

sanftmüthig, wenn dein Brüllen

wird wie ein Löw im Grimm

die ganze Welt erfüllen,

wenn du mit großer Kraft

wirst kommen in den Streit,

so nimm uns gnädig auf

in deine Herrlichkeit.


9 So wollen wir den Lob

auf Salems güldnen Straßen

in deiner Mutter Haus

mit Freuden schallen lassen,

und dich in deiner Kron

anbeten, o Herr Christ,

der du, als Gottes Lamm, 

allein es würdig bist.

04 October 2026

Der Herre stopft das Lästermaul

Here is my translation of the hymn, “Der Herre stopft das Lästermaul” (J. Heermann, 1636), from the author’s Sontags- und Fest-evangelia, for Trinity XVIII.


Mel.: Durch Adams Fall ist ganz verderbt.

 

THE sland’rous lips of Sadducees’

Christ by the Word did tether,

But soon the horde of Pharisees,

Untiring, came together.

Yet up there stood / not all the brood,

But one man, long in learning,

Taught zealously, / praised mightily,

The Scriptures well discerning.


2 He comes, his Savior tempts, and says:

Which of the laws is greatest?

Oh, tell us (for Thy skill we praise)

Which Thou most highly ratest?

Christ answer made / and thusly said:

To love the Lord God ever,

And also men. / To keep these twain

God biddeth thee endeavor.


3 “Yet shalt thou love in full afford,

Heart, soul, and mind completely

In service render to the Lord

For all His mercy meetly.

So he doth love / to neighbors prove

Who self to them surrenders,

And faithful shows / in joys and woes

And service to them tenders.


4 “Whoe’er keeps these commandments twain

No more than that he needeth.

He does what prophets did ordain,

Yea and the Law well heedeth.”

Here must the crown / of scribes step down,

And from the scene they scatter.

He to their shame / gains not their aim,

Howe’er he lie and flatter.


5 When this was done, the Pharisees

Soon gathered them together.

And Jesus said: “I pray you, please,

Let me ask you. Say, whether

The Christ and Lord, / on whom is poured

The Lord’s anointing Spirit,

Is some man’s son? / If so, which one

Doth such an honor merit?”


6 They answer: “He is David son,

As David’s mouth confesseth.”

How comes it then that he his own

Dear son as Lord addresseth

When he is by / the Spirit’s eye

With Christ from far presented?

It saith: the Lord / saith to my Lord,

Before time was invented.


7  “Sit Thou at My right hand till I

My sword of wrath have whetted,

And at Thy feet have made to lie

Thine enemies defeated.”

To Me make clear, / since David here

Hath as his Lord acclaimed him,

What doth it mean / that he hath been

Named son, as ye have named him?”


8 They silent fell without a gain

From all their arts deceiving,

Held captive by their boasting vain,

And futile unbelieving.

And no man durst / then be the first

To test again the Savior.

Who hateth Thee, / O Christ, must be

Ashamed and perish ever.


Translation © 2026 Matthew Carver.


GERMAN

Der Herre stopft das Läster-Maul

durchs Wort den Saduzäern.

Bald sammelt sich, so sonst nicht faul

die Schar der Pharisäer.

Doch tritt nicht auf / der ganze Hauf.

Ein Mann, der was von Jahren

ernsthaft gelehrt, / und hochgeehrt

und in der Schrift erfahren.


2 Der kömmt, versucht sein Heil, und spricht:

Welchs unter den Gesetzen

ist wohl das Größte? Gib Bericht

uns, die wir dich hoch schätzen.

Der Herre sagt / dem, der ihn fragt:

Gott und den Menschen lieben.

Durch die Gebot / erfordert Gott

in was du dich sollt üben.


3 Doch soll die Liebe nicht sein schlecht.

Dein Herz, Seel und Gemüthe

soll Gott dem Herren dienen recht,

für seine Treu und Güte.

Den Nächsten liebt / wer sich ergiebt

ihm ganz und gar zu eigen:

Läßt sich sein Herz / in Freud und Schmerz

zu seinem Dienste neigen.


4 Wer diese zwei Gebote hält,

dem ist nichts mehr vonnöthen.

Er thut, was ihm zu thun vermeidt

Gesetz und die Propheten.

So muß auch hier / die stolze Zier

des Schriftgelehrten weichen:

kann nicht ihr Ziel / wie gern er will

durch List und Kunst erreichen.


5 Nicht längst hernach versammelt sich

der Pharisäer Orden.

Wohlan, sagt Christus, so dann ich

von euch gefragt bin worden,

so werdet ihr / verzeihen mir,

auch etwas euch zu fragen:

Ihr sollt mir frei, / Wes Sohn doch sei

der Herr Messias, sagen.


6 Sie sprechen: Er ist Davids Sohn,

als David selbst bekennet.

Wie kömmts, fragt er, daß David schon

ihn seinen Herren nennet,

Da durch den Geist / ihm wird geweist

Messias schon von ferren?

Es sagt allbreit / von Ewigkeit

der Herr zu meinem Herren.


7 Zu meiner Rechten setze dich,

bis ich mein Zornschwert schärfe,

und deine Feinde kräftiglich

zu deinen Füßen werfe.

Nun saget mir / weil David hier

ihn für den Herrn erkennet,

durch was Verstand / wird er genannt

sein Sohn, wie ihr ihn nennet?


8 Sie schwiegen still: all ihre Kunst,

ihr Witz, /ihr Ruhm, ihr Prangen,

und was sie wissen, ist umsonst.

Sie stehn, und sind gefangen.

Es darf auch ihn / kein Mensch forthin

nur das Geringste fragen.

Wer dir ist gram / muß seine Scham

und Schmach, Herr Jesu, tragen.