21 August 2026

Hilf, Herr, daß ich in Tempel

Here is my translation of the hymn, “Hilf, Herr, daß ich in Tempel” (L. Helmbold, d. 1598), from the author’s Schöne geistliche Lieder, for Trinity XI, with title “Of the Penitent Publican.”


Mel.: Herr Christ der einig Gotts Sohn.



HELP, Lord, that I may ever

With humble heart draw near

Thy temple, and may never

Take for example here

The Pharisee so hollow,

But may in praying follow

This lowly publican!


2 How far he stood that morrow,

All in a place apart,

With features full of sorrow,

His eyes cast down, his heart

And conscience thinking solely:

“I am unworthy wholly,

Upon this earth to stand!”


3 ’Tis naught to speak of lifting

My sinful eyes to heav’n!

For if by judgment’s sifting,

I were due wages giv’n,

How soon I would be leaving,

And far from heaven grieving,

Be ever damned to hell!


4 His hand then started stirring,

He smote and smote his breast,

He thought: “How many a scourging

I’ve earned, be it confessed,

With all my sins defiling!

Oh, for a reconciling

With God, and endless bliss!”


5 He sighed: “O God, be gracious,

Though I a sinner am!”

Without which reason precious

No man to bliss e’er came.

From deepest hell he even

Reached up to highest heaven,

Yea, Lord, up to Thy throne!


6 From heav’nly realms to earthly

Thy Son was giv’n in love,

Of all men’s trust most worthy;

By Him to Thee above

I’ll rise, with angels flying.

Thou wilt not bear my dying;

Thy promise is my life!


Translation © 2026 Matthew Carver.


GERMAN

Hilf, Herr, daß ich in Tempel

nimmermehr anders komm,

denn wie das schön Exempel

uns Christen lehren thut:

Nich das der Pharisäer,

sondern der arme Zöllner,

mit seim Gebete gab.


2 O wie stund er so ferne

an sonderlichem Ort,

mit traurigem Gebärde,

sein Augen niederkahrt,

gedacht in seim Gewissen,

ich bin mit meinen Füßen

des Erdbodens nicht werth.


3 Schweig gen Himmel zu heben

mein sündlich Angesicht,

wenn Gott mir würde geben

mein Sold nach seim Gericht,

wie bald müßt ich gescheiden,

weit von dem HImmel bleiben,

ewig zur Hell verdammt.


4 Sein Hand ward drüber rege,

er schlug an seine Brust,

gedacht, wie manche Schläge

hab ich mit böser Lust,

ja, mit der That verdienet?

O wer, mit Gott versühnet,

möcht ewig selig sein!


5 Gott sei mir Sünder gnädig,

sprach er mit Hez und Mund:

Kein Mensch ist jemals selig

worden ohn solchen Grund:

Er reicht aus tiefer helle

hoch über alle Himmel,

Herr, bis zu deinem Thron.


6 Von dannen uns gegeben

dein Sohn aus großer Lieb,

ist werth, daß wir ihm gläuben,

der macht, daß ich nicht bleib

ewig von dir gescheiden,

mein Tod willt du nicht leiden,

dein Eid mein Leben ist.

20 August 2026

Mein Gott, wie bist du so gerecht

Here is my translation of the hymn, “Mein Gott, wie bist du so gerecht” (B. Schmolck, 1712), from the author’s Der lustige Sabbath, second series, with title: “Divine Conversion.”


Mel.: Herr Jesu Christ, du höchstes Gut.



MY God, how just and right art Thou

Converting sinners mortal!

For when a child of hell doth bow

And, op’ning his heart’s portal,

Kneels down before Thee penitent,

And doth his grievous sins lament,

His heart Thou dost examine.


2 Thou seëst, full of wrath and zeal,

How many men act holy,

In whom no man can see nor feel

That they are truly holy,

When at Thy sanctuary they

Upon the threshhold stand and pray,

Thy name’s great glory praising.


3 With haughtiness and pride they teem,

Themselves o’er all men setting,

Their highest good, their pious dream,

Not once in life forgetting.

How in the world no man alive

Can measure up, howe’er he strive

To live a life so godly.


4  And when their lips their Abba speak,

They say: “O Lord, I never

Live like the sinners vile and weak.

I love no plunder ever,

Which thieves and robbers can delight!”

And by this vain, beguiling sight

They make a holy semblance.


5 They also holiness derive

From works they think of solely,

As with their tithe they always strive

To strengthen paupers lowly.

Just as they very holy are,

Nor, chastening, their bodies spare

In all their frequent fasting.


6 Since Thou, my God, dost better know

What sins their heart encumber,

And hast a fiery lake below

Set for their damnèd number,

Their holiness cannot abide,

For who exalts himself in pride,

Must at the last be humbled.


7 But lo, before Thy throne comes one

By conscience sorely driven—

A sinful man, Thy straying son,

Unholy unto heaven!

When he before Thy throne appears

All full of penitential tears,

Thou deign’st to make him holy.


8 Despite the bounties for his soul,

Which he, his bemoaning

And seeking here to be made whole,

Should find to still all groaning,

Yet in his true humility

He stands far off, aware that he

Hath Thee, his Lord, offended.


9 Repentant, full of grief and pain,

His heart, sin’s source, he smiteth–

Stroke after stroke, again, again,

And saith, “My sin inviteth

Hell’s torments as its just reward,

Yet I beseech my God and Lord

By grace to save this sinner!”


10 Unholy and unworthy he

Doth feel, e’en to desire-

That he should heaven’s brightness see;

For they invite God’s ire

Who have from Him removed their sight,

And in sin’s poison take delight

His righteous wrath provoking.


11 Such people, whom the wicked earth

According to its thinking

Counts not, like others, high of worth,

But at God’s left, goats stinking–

These God calls holy, justified;

By Him each servant’s heart is tried

And humble ones He raiseth.


12 Now Lord, my God, I hope in Thee;

Thou wilt be watching o’er me,

And sanctify me graciously

When I repent before Thee,

that in remorse for all my sin,

I also, with the publican,

May go from Thee forgiven.


Translation © 2026 Matthew Carver.


GERMAN

Mein Gott, wie bist du so gerecht,

die Menschen zu bekehren!

Wenn ein verdammter Sündenknecht

sein Herze will entleeren,

und vor dir voller Buß erscheint,

und über seine Sünden weint,

so prüfest du sein Herze.


2 Du siehst voll Zorn und Eifer an,

wie viel sich heilig stellen,

an dennen man nicht merken kann,

wenn sie auch auf den Schwellen

in deinem Heiligthume stehn,

und deines Namens Ruhm erhöhn,

daß sie recht heilig wären.


3 Sie sind voll Hoch- und Übermuth,

und werden sich vermessen,

da sie ihr allerhöchstes Gut

das Frommsein nie vergessen,

und daß darinnen in der Welt

die Wage niemand ihnen hält,

der so gottselig lebte.


4 Und wenn ihr Mund sein Abba spricht,

da heißts: wie andre Leute.

Herr, mein Gott, bin ich niemals nicht,

ich liebe keine Beute,

die Dieb und Räuber kann erfreun;

doch dies ist nur ein leerer Schein

von ihren Heiligkeiten.


5 Sie nehmen auch die Heiligkeit

von ihren kahlen Werken,

wie mit dem Zehnten jederzeit

sie jeden Armen stärken;

wie sie so gar sehr heilig sein,

und ihren matten Leib castein,

wenn sie zum öftern fasten.


6 Da du nun dieser Leute Herz,

mein Gott, am besten kennest,

und ihnen allen unterwärts

den Schwefelpfuhl benennest,

so kann ihr Heilig-sein nicht stehn,

denn wer sich selber will erhöhn,

der soll erniedrigt werden.


7 Hingegen tritt vor deinen Thron,

wenn sein Gewissen beißet

ein von dir abgeirrter Sohn,

den man unheilig heißet;

wenn er vor deinem Thron erscheint

und voller Buße schmerzlich weint,

den willst du heilig machen.


8 Denn wie viel Gutes läßt doch der

bei den bereuten Sünden,

und bei erfreuter Wiederkehr

an seiner Seele finden,

voll Herzens Demuth steht er fern,

weil er dich hat, Gott, seinen Herrn

beleidigt und erzürnet.


9 Bußfertig voller Reu und Schmerz

zeigt er der Sünden Quelle,

und schlägt mit seiner Hand ans Herz

und spricht: Es wär die Hölle

vor mich zwar wohl der rechte Lohn,

doch aber helfe Gott davon

mir Sünder aus Genaden!


10 Unheilig hält er sich, nicht werth,

daß er mit seinen Augen

den Himmel anzusehn begehrt,

weil die vor Gott nicht taugen,

die aus den Augen ihn gesetzt,

sich an der Sünden Gift ergetzt,

und seinen Zorn entzündet.


11 Dergleichen, so die böse Welt,

nach ihres Herzens Dünken,

nicht so, wie andre heilig hält,

und stellt zu Gottes Linken,

die spricht Gott heilig und gerecht,

denn er erhöhet jeden Knecht,

der sich vorher erniedrigt.


12 Nun Herr, mein Gott, ich hoff auf dich,

du wirst so für mich wachen,

und bei der Buße gnädiglich

mich völlig heilig machen;

daß ich bei meiner Sündenreu

auch mit dem Zöllner los und frei

von dir zurücke gehe.